Rollett, Wolfram
(2026)
Didaktikmodell funktionaler Mensch-KI-Interaktion
Ein didaktisches Modell zur Förderung funktionaler Mensch-KI-Interaktion.
Monografie.
, Oldenburg.
Abstract
Das Modell beschreibt KI-Kompetenz als Fähigkeit, Unterstützung durch künstliche Intelligenz funktional passend, lernwirksam, reflexiv und verantwortlich in individuelle und kooperative Lern- und Wissensarbeitsprozesse einzubetten. Im Mittelpunkt steht nicht die Bedienung eines technischen Systems, sondern die pädagogisch gestaltete Entwicklung funktionaler Handlungsfähigkeit.
Lernende sollen verstehen, welche Funktion ein KI-Beitrag im Lernprozess übernimmt, wie dieser Beitrag geprüft wird, welche Anschlussmöglichkeiten daraus entstehen und welche Verantwortung mit seiner Nutzung verbunden ist. Lernwirksam wird KI-Unterstützung, wenn sie fachliche Klärung, Denken, Rückmeldung, Kooperation und Verantwortungsübernahme stärkt. Problematisch wird sie, wenn eigene Lernaktivität, Prüfung, Urteilsbildung oder gemeinsame Verantwortung in den Hintergrund treten.
Die 30D-Struktur des Funktionsraummodells bildet die diagnostische Tiefenstruktur. Für die didaktische Arbeit wird sie nicht vollständig und dauerhaft sichtbar gemacht, sondern in der jeweils angemessenen Auflösung genutzt. Einfache Funktionsangebote können Orientierung geben; differenziertere Auflösungen werden erforderlich, wenn Lernstand, Aufgabe, soziale Situation, Verantwortungsrisiko oder professionelle Nutzung dies begründen.
Das Modell verbindet einen entwicklungsorientierten Lernbegriff mit Schülerperspektive, Partizipation, fehlerfreundlicher Rückmeldung, kriterialer Bewertung und einer verantwortlich steuernden Rolle der Lehrkraft. Aufgaben werden dabei nicht nur als Arbeitsaufträge verstanden, sondern als pädagogische Situationen, in denen fachliche Gegenstände, soziale Interaktion, Rückmeldung, Mitbestimmung und Verantwortungsübernahme zusammenwirken.
Qualität wird über die Tragfähigkeit von Lern- und Wissensarbeitsübergängen bestimmt. Ein Lernschritt ist anschlussfähig, wenn er an Vorwissen, Aufgabe, Material und Ziel anknüpft. Er ist stabil, wenn er weitere Bearbeitung ermöglicht. Er ist legitimierbar, wenn Zuständigkeit, Eigenleistung, Beteiligung, Autorenschaft und Folgen geklärt bleiben. Brüche, Drift, Blockaden und Verantwortungsrisiken sind deshalb nicht nur Störungen, sondern Hinweise darauf, wo pädagogische Rückbindung, adaptive Unterstützung, Klärung oder Verantwortungsübernahme erforderlich werden.
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