Zivilgesellschaftliche Solidarität unter den Bedingungen des Ost-West-Konflikts - Handlungsoptionen westlicher Gewerkschaften angesichts der Solidarność in Polen 1980-82

Lindemann, Dominik (2012) Zivilgesellschaftliche Solidarität unter den Bedingungen des Ost-West-Konflikts - Handlungsoptionen westlicher Gewerkschaften angesichts der Solidarność in Polen 1980-82. Masters, Universität Oldenburg.

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Abstract

Als am 14. August 1980 auf der Danziger Lenin-Werft eine Gruppe von Arbeitern rund um Lech Wałęsa zum Streik aufrief und darauf folgend bis zum Ende des Monats fast 700.000 Menschen im ganzen Land die Arbeit niederlegten, rückte die politische Krise in Polen erstmals in den Fokus der westlichen Regierungen und Gesellschaften. Was dort passierte, war für viele Beobachter ungewöhnlich: In einem kommunistischen, von der Sowjetunion kontrollierten Staat wagten Arbeiter, sich gegen ihre mangelhaften Arbeitsbedingungen zu wehren, forderten unter anderem das Recht auf Gründung einer freien Gewerkschaft und ließen darüber hinaus religiöse Töne vernehmen. Gebannt schaute der Westen an diesem Tag nach Polen und wartete ungeduldig auf neue Nachrichten aus Danzig. Die Erfüllung der Forderungen wäre ein historisches Ereignis gewesen. In einer Zeit, in der die Welt nur aus zwei einander gegenüberstehenden Blöcken zu bestehen schien, und in der jede noch so kleine Veränderung der politischen Verhältnisse eine reale Gefahr für das sensible Machtgefüge auf der Erde darstellte, war sich niemand sicher, wie man die streikenden polnischen Arbeiter und die potentiellen Auswirkungen ihrer 21 Forderungen einschätzen sollte. Der Kalte Krieg stellte einen unberechenbaren Kontext für die Erfolgsaussichten einer entstehenden freien Gewerkschaft in Polen dar. Trotz der bereits kurz angedeuteten komplizierten politischen Lage gibt es eine Reihe von Beispielen westlicher Solidarität mit den Arbeitern in Polen und ihren Zielen. Da die Regierungen jedoch keine Eskalation der Krise provozieren wollten, waren sie selbst in ihrem Handeln sehr eingeschränkt. Allzu demonstrative Unterstützung für Solidarność hätte als Einmischung in die Staatssouveränität Polens interpretiert werden und somit als Anlass für eine militärische Reaktion genommen werden können. Ziel dieser Arbeit ist, in diesem Zusammenhang die Rolle der westlichen Gewerkschaften aus der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und den USA zu analysieren. In Verbindung mit Bürgerinitiativen versandten sie Pakete mit Hilfsgütern oder organisierten öffentliche Demonstrationen. Sie sammelten Geld und schickten es auf so genannten stillen Kanälen nach Polen. Nicht zuletzt verfassten sie politische Solidaritätserklärungen, nahmen offiziell Beziehungen zur Solidarność auf und versuchten nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981 und der Illegalisierung der Solidarność, den politischen Druck auf die polnische Regierung zu erhöhen, indem sie sich für die Freilassung der politischen Gefangenen einsetzten. Es gehört somit zu den Fragen in dieser Arbeit, ob die Gewerkschaften, die per definitionem keinerlei Regierungskompetenzen besitzen, bis 1982 die außenpolitische Rolle der Regierungen übernahmen.

Item Type: Thesis (Masters)
Uncontrolled Keywords: Solidarność , Polen
Controlled Keywords: Solidarität <Gewerkschaft> , Solidarität <Körperschaft> , Gewerkschaft , Deutscher Gewerkschaftsbund , Trades Union Congress , Confédération Francaise
Subjects: History > History
Divisions: School of Humanities and Social Sciences > Institute of History
Date Deposited: 17 Jan 2013 14:28
Last Modified: 07 Jun 2013 08:56
URI: http://oops.uni-oldenburg.de/id/eprint/1327
URN: urn:nbn:de:gbv:715-oops-14078
DOI:

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